Die Zahl der Menschen, die im Erzgebirgskreis leben, sinkt. Produzieren sie dann auch weniger Müll? Dazu hat Kreisrat Kay Meister recherchiert und Anfang Juni 2026 zudem eine Anfrage ans Landratsamt gestellt: Welche Anreize setzt der Landkreis, um das Abfallaufkommen zu reduzieren? Zahlen, Fakten und Schlussfolgerungen lesen Sie im Text unten.
Für die Entsorgung des Abfalls ist im Erzgebirgskreis der Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS) zuständig. Jährlich im April veröffentlicht er die Abfallbilanzen des Vorjahres. Gut zu wissen: Die Leistungen des ZAS werden grundsätzlich über Abfallgebühren und nicht aus dem Landkreishaushalt finanziert.
Wie hat sich das Abfallaufkommen im Erzgebirgskreis in den letzten Jahren verändert? Ein Vergleich der Daten von 2014 und 2024 liefert Antworten. Die Einwohnerzahl des Landkreises ist innerhalb dieser Zeit deutlich geschrumpft, von 350.146 auf 320.446 – also um 8,5 Prozent. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen.

Die Summe der Restabfälle reduzierte sich von 42.284 Tonnen im Jahr 2014 auf 40.014 Tonnen im Jahr 2024. Dies entspricht lediglich einem Rückgang von 5,4 Prozent. Das heißt: Pro Kopf fällt mehr Müll an. Konkret hat 2024 jede Einwohnerin und jeder Einwohner durchschnittlich 125 Kilogramm Restmüll produziert, 2014 waren es noch 120 Kilogramm. Auch die Anzahl der Restabfallbehälterleerungen ist gestiegen, von 1.144.659 im Jahr 2014 auf 1.181.946 im Jahr 2024. Die „Nebenwirkungen“ der Restmüllentsorgung sind bekannt: Abgase, Lärm und Abnutzung der Entsorgungsfahrzeuge, Abgase der Müllverbrennungsanlagen und Deponierung der Reststoffe.

Die Gesamtmenge bestimmter Sonderabfälle, zum Beispiel Sperrabfälle und Grünabfälle, ist trotz sinkender Einwohnerzahlen gestiegen. 2014 waren es 11.083 Tonnen Sperrmüll, 2024 11.855 Tonnen. Kay Meister: „Dies ist eine Begleiterscheinung des hohen Wohlstands der Bevölkerung sowie sinkender Qualität der Konsumgegenstände. Früher wurden zum Beispiel Möbel meist über einen langen Zeitraum benutzt und sogar vererbt. Heute werden sie teils schon nach wenigen Jahren entsorgt. Ein anderes Beispiel sind die Grünabfälle. Die wurden traditionell im eigenen Garten kompostiert, auf die so entstehende Pflanzenerde wollte niemand verzichten. Das ist längst nicht mehr allgemein üblich.“
Die Menge der Bioabfälle ist im Wesentlichen stabil geblieben. Geändert hat sich die Form der Verwertung. Während 2014 noch der größte Teil kompostiert wurde, gelangten 2024 sämtliche Bioabfälle aus dem Erzgebirgskreis in die Vergärung. Kay Meister: „Dies ist ausdrücklich zu begrüßen. Durch die Vergärung entsteht Biogas, das hauptsächlich aus Methan besteht. Dieses Biogas kann als erneuerbare Energiequelle genutzt werden, etwa zur Strom- und Wärmeerzeugung oder als Treibstoff. Dadurch werden fossile Brennstoffe eingespart und Treibhausgasemissionen reduziert. Wird Bioabfall auf Deponien entsorgt, entsteht Methan oft unkontrolliert und trägt stark zum Klimawandel bei. Die kontrollierte Vergärung fängt dieses Methan ein und nutzt es sinnvoll. Nach der Vergärung bleibt ein nährstoffreicher Gärrest zurück, der als organischer Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden kann. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit und reduziert den Bedarf an mineralischen Düngemitteln.“

Das Aufkommen von Papiermüll ist beträchtlich gesunken. Kay Meister: „Das liegt sicherlich daran, dass Papier an Ankaufstellen angenommen wird und die Erzgebirger sich damit ihren ‚Abfall‘ vergüten lassen können. Das Gleiche trifft für Metalle zu.“

Das Volumen des Leichtverpackungsmülls, also Gelbe Tonne oder Gelber Sack, hat sich in den letzten Jahren signifikant verringert. Aktuell wirft jede Person im Erzgebirgskreis dennoch jährlich im Durchschnitt über 40 Kilogramm dieser Verpackungen in den Müll. Kay Meister: „Die Entwicklung hin zu weniger Leichtverpackungsmüll ist erfreulich. Ein Grund dürfte sein, dass die Lebensmittelindustrie die Verpackungen ihrer Produkte verkleinert hat, was von den Verbrauchern so gewünscht wird. Es werden zunehmend Nachfüllpacks angeboten, es wird auf Umverpackungen verzichtet und die Materialmenge reduziert. Das ist auch eine Folge steigender Rohstoffkosten. Ein weiterer Einflussfaktor: Durch das Pfandsystem und die Diskussion um Nachhaltigkeit greifen die Menschen zunehmend zu Mehrwegflaschen oder Pfandflaschen, die wiederbefüllt werden. Das reduziert den Verbrauch von Einweg-Leichtverpackungen.“

Die Kosten für Beräumung und Entsorgung illegaler Ablagerungen durch Landkreis und ZAS sind deutlich – um die Hälfte – gesunken. Kay Meister: „Das ist sehr positiv. Vielleicht liegt das daran, dass den Menschen im Landkreis eine saubere Umwelt wichtiger ist, dass das Bewusstsein dafür gestiegen ist.“
Kay Meisters Fazit zum Abfallaufkommen: „Die Bevölkerung im Erzgebirgskreis schrumpft. Die Restmüllmenge pro Person und Jahr ist jedoch seit 2014 gestiegen. Bei Restmüll gilt: Je weniger wir davon produzieren, desto besser. Es ist ja allgemein bekannt, dass ein nachhaltigerer Lebensstil sozusagen lebensnotwendig ist. Letztendlich geht es darum, die ökologische Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes zu sichern, also die Natur zu erhalten und damit unsere Lebensgrundlage.“
Wie setzt sich der Landkreis dafür ein, das Abfallaufkommen zu reduzieren? Dazu stellte Kay Meister zwei Fragen ans Landratsamt. Die Antworten fallen ernüchternd aus.
1. Frage: Welche Strategien verfolgt der Landkreis, um Anreize zu setzen, das Abfallaufkommen insbesondere bei den Positionen, die trotz sinkender Einwohnerzahlen keinen nennenswerten Rückgang aufweisen, zu senken?
Antwort Landratsamt: „Das ZAS1-Abfallwirtschaftskonzept https://www.za-sws.de/abfallwirtschaftskonzept.cfm beschreibt den Handlungsrahmen des ZAS unter Bezug auf die ihm vom Landkreis übertragenen Aufgaben als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger im Erzgebirgskreis (Sammeln/Befördern und Entsorgen von Abfällen). Der ZAS setzt aufgabenbezogen mit der Abfallwirtschafts- und Gebührensatzung entsprechend Anreize. Der im Erzgebirgskreis angewandte Gebührenmaßstab stellt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen verursachergerechter Veranlagung, Schaffung von Anreizen zur Abfallvermeidung und ‑trennung (Lenkungsgebühren) und Vermeidung illegaler Ablagerungen dar. Mit einem Mindestentsorgungsvolumen von 160 Liter pro Person und Jahr (3,07 l pro Woche) für Restabfall ist ein ausreichender Vermeidungsanreiz gesetzt. Das spezifische Abfallaufkommen stellt dabei als Maßstab eines umweltgerechten ressourcenschonenden Handels das letzte Glied in der Verbraucherkette dar.“
Kay Meister: „Es ist anzuerkennen, dass das Mindestentsorgungsvolumen von 160 Litern pro Person und Jahr bewusst so angesetzt ist, damit es für unvermeidbaren Restmüll reicht, aber nicht unnötig viel Müll produziert wird. Ein zu hoher Preis pro Liter Restabfall könnte dazu führen, dass mehr Menschen ihren Müll illegal entsorgen, zum Beispiel in Wäldern oder auf öffentlichen Flächen, was kontraproduktiv wäre. Der Landkreis hätte allerdings durchaus die Möglichkeit, weitere Anreize zu setzen, etwa durch Förderung der Kreislaufwirtschaft und durch Bildung und Beratung zum Thema Müllvermeidung.“

2. Frage: Welche Bildungsmaßnahmen insbesondere im Bereich der schulischen und außerschulischen Bildung werden vom Kreis bzw. durch von ihm beauftragte Einrichtungen oder Firmen zum Thema Abfallvermeidung erbracht, um frühzeitig einen bewussteren Umgang mit Abfällen zu fördern (Anzahl Termine, Anzahl erreichter Personen, Inhalte der Bildungsmaßnahmen)?
Antwort Landratsamt: „Das Thema Umweltschutz – einschließlich der Unterthemen Abfalltrennung, aktive Abfallvermeidung und Recycling – ist fester Bestandteil der Lehrpläne von Gymnasien, Berufsschulzentren (BSZ) und Förderschulen. Vermittelt werden diese Inhalte beispielsweise im Rahmen der naturwissenschaftlichen Fächer Chemie, Biologie und Geografie sowie in den Fächern Deutsch-Heimatkunde, Hauswirtschaft, Arbeitslehre und Ethik. Obwohl der Erzgebirgskreis als Schulträger nicht für die Gestaltung der Lehrpläne zuständig ist und daher keinen Einfluss auf deren Inhalte nehmen kann, hat auch er ein Interesse an der Umweltbildung der Schülerinnen und Schüler und begrüßt entsprechende Initiativen der Schulen.
Die Recherche zu lehrplanbegleitenden und ‑ergänzenden Bildungsangeboten an den Schulen in unserer Trägerschaft zeigt, dass an den meisten Schulen (61 %) umfangreiche themenbezogene Initiativen und Projekte etabliert sind. Diese reichen von regelmäßigen Belehrungen über die Einführung von Mülltrennungssystemen und Arbeitsgemeinschaften sowie selbstorganisierte Aufräum- bzw. Müllsammelaktionen, sogenannte ‚Clean up-Days‘, bis hin zur Unterstützung kommunaler Aktionen und der Verleihung des Status ‚Klimaschule‘.“
Kay Meister: „Der Erzgebirgskreis sieht demnach im Bereich der Umweltbildung zum Thema Müll die Verantwortlichkeit im Wesentlichen bei den Schulen selbst. Andere Landkreise handhaben das durchaus anders. So bietet beispielsweise der Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Chemnitz (ASR) kostenlose Bildungsprogramme für Kindertagesstätten (Vorschulkinder), Grundschulen, weiterführende Schulen und Förderschulen an. Diese eignen sich besonders für die Durchführung von Lernangeboten, Unterrichtseinheiten oder für Projekte. Darüber hinaus können themenbezogene Materialkisten ausgeliehen werden.“
- Antwort aus dem Landratsamt vom 3. Juli 2026 auf die Anfrage zum Müllaufkommen im Erzgebirgskreis: 2026-06-20 Abfallaufkommen – KR Meister
- Abfallbilanzen des Zweckverbands Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS): www.za-sws.de/abfallbilanzen.cfm