Landwirtschaftliche Bodennutzung wandelt sich im Laufe der Zeit, genauso wie die Gesellschaft. Seit Jahren nimmt die Bedeutung des Ökolandbaus zu, mehr Menschen ernähren sich vegetarisch bzw. essen weniger Fleisch und eine krisenfeste, robuste regionale Nahrungsmittelproduktion wird noch wichtiger.
Für Sachsen liefern Daten zu den landwirtschaftlichen Betrieben, der bewirtschafteten Fläche und zu den Bodennutzungsarten ein interessantes Bild:
- Im Jahr 2023 wurden 897.200 Hektar der Fläche Sachsens landwirtschaftlich genutzt, dies entspricht circa 54 Prozent. 2022 existierten in Sachsen 4.990 landwirtschaftliche Betriebe mit einer bewirtschafteten Fläche von unter 100 Hektar, 1.330 Betriebe mit 100 bis 1.000 Hektar und 230 Betriebe mit über 1.000 Hektar. In letztgenannter Gruppe war die deutlichste Zunahme zu verzeichnen. Insgesamt nahm die Anzahl der Betriebe in Sachsen um 2,2 Prozent zu. (Quelle: www.statistik.sachsen.de/html/betriebsstruktur-landwirtschaft.html)
- Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Bodennutzung dominiert in Sachsen mit über 42 Prozent der Getreideanbau. Darauf folgen mit circa 21 Prozent Dauergrünland, 14 Prozent Futterpflanzenanbau und 13 Prozent Ölfrüchteanbau. Obst- und Gemüseanbau spielen mit 0,3 Prozent bzw. 0,4 Prozent eine sehr marginale Rolle. (Quelle: Agrarbericht in Zahlen 2024, SMUL)
- In Sachsen nahm von 2016 bis 2023 der Nutzungsartenbereich „Siedlung & Verkehr“ deutlich zu, während der Anteil landwirtschaftlich genutzter Fläche an der Gesamtfläche leicht rückläufig war. (Quelle: Liegenschaftskataster, Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN))

Welchen Entwicklungen unterliegt die landwirtschaftliche Produktion im Erzgebirgskreis? Um das einschätzen und die Perspektiven erkennen zu können, hatte Fraktionsmitglied Kay Meister am 18. November 2025 folgende Fragen an die Landkreisverwaltung des Erzgebirgskreises gestellt:
- Wie hoch ist der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche an der Gesamtfläche des Erzgebirgskreises?
- Wie hat sich der Bestand an landwirtschaftlichen Betrieben in den letzten Jahren (Zeitraum ca. 2015 bis 2025) im Erzgebirgskreis entwickelt? Bitte nach Größenklassen, siehe Sachsen, aufschlüsseln.
- Welchen Anteil haben die oben genannten Bodennutzungsarten der landwirtschaftlichen Produktion aktuell im Erzgebirgskreis?
- Welche Entwicklungstrends zeigen diese Nutzungsarten in den zurückliegenden zehn Jahren im Erzgebirgskreis?
Das Landratsamt teilte Kay Meister am 18. Dezember 2025 mit, dass es nicht über die notwendigen Daten verfügt und er sich an das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Zwönitz wenden solle. Auch hier war man nicht zuständig und verwies Ende April 2026 an das Statistische Landesamt, das jährlich diverse statistische Angaben zu den Landkreisen veröffentlicht: https://www.statistik.sachsen.de/Kreistabelle. Kay Meister und die Mitarbeiterin der Kreistagsfraktion mussten demnach selbst recherchieren. Die angegebene Quelle lieferte aber nur für zwei der vier Fragen aussagekräftige Daten.
Zu Frage 1: Wie hoch ist der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche an der Gesamtfläche des Erzgebirgskreises?
Hinsichtlich der Flächennutzung wurden die Daten aus den Jahren 2015 und 2024 verglichen.
| Datum | Bodenfläche (ha) | Siedlung/Verkehr | Davon Verkehr | Landwirtschaft | Waldfläche |
|---|---|---|---|---|---|
| 31.12.2015 | 182.790 | 21.972 | 7.556 | 73.858 | 81.726 |
| 31.12.2024 | 182.792 | 23.426 | 7.632 | 72.292 | 81.664 |
Demnach besitzt der Erzgebirgskreis eine Gesamtbodenfläche von 182.792 Hektar. Im Jahr 2024 waren davon 12,8 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 39,6 Prozent Landwirtschaftsfläche und 44,7 Prozent Waldfläche. Während in den letzten zehn Jahren (2015 bis 2024) die Verkehrs- und Siedlungsfläche um etwa 1.454 Hektar zugenommen hat (6,6 Prozent), sank die Landwirtschaftsfläche um 1.566 Hektar (2,1 Prozent). Die Waldfläche ist nahezu gleich geblieben (Verlust von 62 Hektar).
Kay Meister: „Im Erzgebirgskreis nimmt somit der Flächenverlust durch Besiedelung weiterhin ununterbrochen zu, auch zulasten von landwirtschaftlicher Fläche.“
Zu Frage 2: Wie hat sich der Bestand an landwirtschaftlichen Betrieben in den letzten Jahren (Zeitraum ca. 2015 bis 2025) im Erzgebirgskreis entwickelt?
Bezüglich der landwirtschaftlichen Organisationsstruktur wurden Daten aus den Jahren 2010 und 2020 verglichen. Aktuellere Zahlen liegen in den statistischen Veröffentlichungen nicht vor.
| Landwirtschaftliche Betriebe | Unter 50 ha | 50 bis 100 ha | 100 bis 200 ha | 200 bis 500 ha | 500 bis 1.000 ha | Über 1.000 ha | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2010 | 705 | 521 | 69 | 58 | 19 | 24 | 14 |
| 2020 | 688 | 495 | 73 | 58 | 25 | 28 | 9 |
Die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe im Erzgebirgskreis ist zwischen 2010 und 2020 von 705 auf 688 gesunken. Dabei hat sich sowohl die Zahl der kleinen Betriebe (unter 50 Hektar Betriebsfläche) als auch die der sehr großen (über 1.000 Hektar) reduziert.
Kay Meister: „Der Rückgang der kleinen Betriebe ist sicher dem Sterben kleinerer Bauernhöfe zuzuschreiben, die unter den aktuellen Marktbedingungen kaum konkurrenzfähig sind. Der Rückgang der sehr großen Betriebe könnte ein statistischer Effekt der strategischen Teilung großer Betriebe sein – Höchstbetrag von 150.000 Euro pro Betrieb und Jahr an Direktzahlungen, steigender Stilllegungspflichtanteil mit zunehmender Größe etc. Große Flächen werden außerdem in Ostdeutschland immer häufiger von Unternehmensgruppen übernommen. Im Erzgebirgskreis gestiegen ist die Anzahl der Betriebe mittlerer Größe (50 bis 100 Hektar und 200 bis 1.000 Hektar).“

Zu den Fragen 3 und 4: Welchen Anteil haben die oben genannten Bodennutzungsarten der landwirtschaftlichen Produktion aktuell im Erzgebirgskreis? Welche Entwicklungstrends zeigen diese Nutzungsarten in den zurückliegenden zehn Jahren im Erzgebirgskreis?
Dazu konnten in der angegebenen Statistik keine Daten gefunden werden, abgesehen von Dauergrünland. Es sind lediglich die jährlichen Hektarerträge von Kartoffeln, Silomais, Getreide und Co. aufgeführt, also die Erträge je Hektar, was keinen Rückschluss auf die Anbaufläche zulässt. Aufschlussreich jedoch sind die Zahlen zur Tierhaltung im Erzgebirge. Verglichen wurden die Daten aus den Jahren 2010 und 2020 bzw. 2014 und 2024.
| Landwirtschaftlich genutzte Fläche (ha) | Ackerland | Dauergrünland | |
|---|---|---|---|
| 2010 | 63.760 | 36.664 | 27.042 |
| 2020 | 63.141 | 35.626 | 27.466 |
Der Anteil Ackerland ist zwischen 2010 und 2020 um 1.000 Hektar gesunken, der Anteil Dauergrünland blieb über den Zeitraum praktisch unverändert.
| Rinder | Rinderhaltungsbetriebe | Schweine | Schweinehaltungsbetriebe | Einhufer | Ziegen | Schafe | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2010 | — | — | 20.776 | 126 | 1.323 | 594 | 7.291 |
| 2014 | 64.359 | 1.042 | — | — | — | — | — |
| 2020 | — | — | 9.990 | 87 | 1.185 | 540 | 6.116 |
| 2024 | 53.467 | 846 | — | — | — | — | — |
Kay Meister: „Die Haltung von Rindern, vor allem von Milchkühen, spielt im Erzgebirgskreis in der Landwirtschaft im Vergleich mit anderen Nutztierarten die bedeutendste Rolle. Insgesamt geht die Anzahl gehaltener Tiere deutlich zurück.“
„In den letzten Jahren sank die Anzahl der Rinder von 64.359 (2014) auf 53.467 (2024). Dies entspricht einem Rückgang um etwa 16,9 Prozent. Gleichzeitig reduzierte sich die Anzahl der Rinderhaltungsbetriebe von 1.042 auf 846, ein Rückgang von 18,8 Prozent. Ein Rückgang der Rinderhaltung folgt dem begrüßenswerten allgemeinen gesellschaftlichen Trend eines sinkenden Konsums tierischer Produkte. Jedoch wird deutlich, dass die Anzahl der gehaltenen Rinder pro Betrieb steigt, also wohl kleinere Betriebe zuerst die Haltung einstellen. Drastisch, um rund 52 Prozent, ist die Anzahl gehaltener Schweine zwischen 2010 und 2020 im Erzgebirgskreis gesunken.“
„Historisch wurden im Erzgebirge in eher kleinbäuerlicher Landwirtschaft Tierarten wie Ziegen und Schafe gehalten. Diese spielen heute kaum noch eine Rolle. Trotz ihres hohen Potenzials, die sie auch in der Landschaftspflege haben könnten, sind sie im erzgebirgischen Landschaftsbild selten zu sehen.“

Fazit
„Die Landwirtschaft im Erzgebirge erlebt strukturelle Veränderungen, ähnlich jener in Sachsen und ganz Deutschland, getrieben durch sich verändernde gesellschaftliche Anforderungen und globale Entwicklungen“, so Kay Meister. „Sie steht vor der Aufgabe, nachhaltiger und diversifizierter zu produzieren und sich auch für alternative Aufgabenfelder wie die Landschaftspflege zu öffnen. Die Entwicklungen der letzten Jahre bieten dafür teilweise gute Voraussetzungen, zum Beispiel die Reduktion des Tierbestandes an Rindern und Schweinen. Als problematisch kann man etwa den Verlust kleiner Betriebe und das Fehlen von Nutztieralternativen sehen.“
Anmerkung zum Prozedere der Anfrage
Kreisrätinnen und Kreisräte können zur Informationsbeschaffung über Angelegenheiten, die in den Aufgabenbereich des Landkreises fallen, Anfragen stellen. Die Überwachung der landwirtschaftlichen Produktion sowie der Flächennutzung gehört zu den Aufgabenbereichen des Erzgebirgskreises. Die Antwort auf die Bodennutzungsanfrage von Kreisrat Kay Meister – man verfüge nicht über die Daten – ist demnach keinesfalls zufriedenstellend.
Angesichts der Bedeutung der Landwirtschaft fürs Erzgebirge sollte das Landratsamt ein großes Interesse an Zahlen und Fakten rund um Landwirtschaftsfläche, Landwirtschaftsbetriebe und die landwirtschaftliche Bodennutzung haben. Landwirtschaft wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle für den Landkreis spielen, in Hinsicht auf Wirtschaft, regionale Versorgung, Umwelt und Katastrophenschutz. Hier informiert zu sein über Istzustand, Entwicklungen und Perspektiven, ist für das Landratsamt kein „Kann“, sondern ein „Muss“. Es wäre zu begrüßen, wenn die Landkreisverwaltung künftig in der Lage wäre, eine Anfrage wie diese fundiert zu beantworten.

Dazu Thomas Lein, Vorsitzender der SPD-GRÜNE-Fraktion: „Die Petition des Landesschülerrats Sachsen setzt ein wichtiges Signal. Schulsozialarbeit ist heute ein fester Bestandteil guter Bildung und unterstützt Schülerinnen und Schüler dort, wo Unterricht allein an Grenzen stößt.


Kay Meister ist für die SPD-GRÜNE-Fraktion Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Er ist freiberuflicher Diplom-Biologe und Umweltbildner sowie Kreisnaturschutzbeauftragter.










„Die Amphibien sind die gefährdetste Wirbeltiergruppe im Erzgebirgskreis. Gleichzeitig fällt sie auch am wenigsten auf“, so Fraktionsmitglied Kay Meister. „Noch ist der Grasfrosch neben der Erdkröte unser häufigster heimischer Lurch. Langfristig ist jedoch von einem deutlichen Rückgang der Grasfroschpopulationen im Erzgebirge auszugehen.“
Grasfrosch. Beide Fotos von Kay Meister



Liebe Schülerinnen und Schüler,