Am 4. und 5. Juli 2026 wurde im Rahmen eines Festwochenendes das 100-jährige Bestehen des Kraftpostverkehrs im Raum Zschopau gefeiert. Die Gründung der Einsatzstelle für den Omnibusverkehr durch die Post – seinerzeit gewissermaßen Konkurrent der Kraftverkehrsgesellschaft Sachsen – bildete 1926 die Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung des ÖPNV auf der Straße, hin zum heutigen modernen und leistungsstarken Standort Zschopau der RVE Regionalverkehr Erzgebirge GmbH.
Im Laufe der Jahrzehnte war der Omnibusverkehr mit ganz verschiedenen Herausforderungen konfrontiert, etwa kriegsbedingten Einschränkungen. In unserer Zeit ist es vorrangig ein finanzieller Kraftakt durch den Eigentümer der RVE, den Erzgebirgskreis, das Angebot eines flächendeckenden ÖPNV im Rahmen der Daseinsvorsorge in gewünschtem Maße aufrechtzuerhalten.

100 Jahre Kraftpostverkehr im Raum Zschopau
Text und Bilder von Holger Haase

Mit der Inbetriebnahme der Linie Krumhermersdorf–Zschopau–Dittersdorf 1926 begann vor 100 Jahren der Kraftpostverkehr im Raum Zschopau. Die Stadt selbst war zwar durch eine Linie der Staatlichen Kraftwagenverwaltung seit 1920 an Chemnitz angeschlossen, doch die notwendigen Verbindungen in die umliegenden Orte sowie zwischen den in den Tälern liegenden Eisenbahnlinien fehlten. Die nun angebotenen Fahrten wurden sehr gut angenommen, sodass es zu ständigen Erweiterungen kam und die Kraftpost mitsamt ihren Gesellschaftsfahrten zu einer bedeutenden Institution wuchs. Um diese Entwicklung bis hin zum heutigen RVE-Standort geht es im Folgenden.

Mit der holzverarbeitenden und Strumpfwirkerindustrie in den umliegenden Orten von Zschopau entstand auch ein Beförderungsbedarf. Die Reichspost bot deshalb Anfang der 1920er-Jahre an, eine Linie zwischen Krumhermersdorf, Zschopau, Weißbach und Dittersdorf zu schaffen. Probefahrten wurden organisiert, überzeugt stimmten die Gemeinde- und Stadträte am Ende zu. Sie hatten für die Unterbringung der Omnibusse zu sorgen und trugen das Risiko eines Betriebskostenzuschusses bei fehlender Auslastung. In Zschopau entstand dazu am Gräbel die erste Kraftwagenhalle.
So wurde am 15. Juni 1926 die Linie Zschopau–Krumhermersdorf und zwei Wochen später, am 1. Juli, die Verlängerung nach Dittersdorf über Weißbach und Schlößchen–Porschendorf eröffnet. Nachdem die Fahrzeiten den Erfordernissen und Gegebenheiten der Strecke angepasst wurden, erschien am 25. Juli im Zschopauer Wochenblatt der erste gültige Fahrplan. Am 2. Oktober 1927 folgte die Linienverbindung von Zschopau über Waldkirchen, Grünhainichen und Borstendorf nach Eppendorf – topografisch sicherlich äußerst anspruchsvoll.

Unterstützung beim Aufbau bekam man von Fahrern aus Bayern, wo der Kraftpostverkehr schon ausgeprägter war. Zum Teil siedelten sie sich hier an. Die eingesetzten Fahrzeuge stammten größtenteils von der Vogtländischen Maschinenbau AG Plauen (VOMAG), der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) und von Büssing aus Braunschweig.
Das Beförderungsangebot wurde von Anfang an zahlreich und mit Freude aufgenommen, wie Artikel und Leserbriefe im damaligen Wochenblatt belegten. Schon ein Jahr später nahm man deshalb fünf zusätzliche Fahrten und weitere Haltestellen in den Fahrplan auf, zudem mussten größere Fahrzeuge eingesetzt werden. Zu besonderen Festen, wie zum Beispiel der Kirmes, gab es Verstärkungsfahrten.
Die Wagenhalle am Gräbel stellte sich schnell als zu klein heraus, bereits 1940 entstand an der Auenstraße ein großzügiger Komplex mit dreizehn Stellplätzen, Werkstatt, Büro- und Sozialräumen. Auch erhielt der Betriebsleiter der Reichspost hier eine Wohnung.
Erst der Beginn des Zweiten Weltkrieges brachte Einschränkungen des Betriebes mit sich. Busse mitsamt Fahrern kamen an die Front, der Kraftstoff wurde rationiert. Dies führte zum Erliegen des Kraftpostverkehrs gegen Kriegsende.
Nach dem Krieg verblieben die Omnibuslinien der Betriebsstelle in Zschopau zunächst im Besitz der Post. Jedoch erfuhr diese eine strukturelle Veränderung, sodass zunächst wenig Raum für die Personenbeförderung blieb. Die Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) Sachsen nahm ihre Linien teilweise schon 1945 wieder in Betrieb, Chemnitz–Zschopau zum Beispiel am 2. Oktober, während die Postlinie Zschopau–Dittersdorf erst am 19. November 1951 neu eröffnet wurde.
Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Bestrebungen, den gesamten Omnibusverkehr der DDR in volkseigene Kraftverkehrsbetriebe zu überführen. Diese waren schon im Rahmen der alten KVG-Strukturen entstanden. Nun sollten die einst konkurrierenden Linien der Kraftpost und die entsprechenden Betriebshöfe folgen. Für Zschopau ist die offizielle Eingliederung am 14. April 1952 belegt. Das übernommene Fahr- und Werkstattpersonal, der 1940 erbaute Betriebshof in der Auenstraße und die aus der Kriegs- und Vorkriegszeit stammenden Fahrzeuge bildeten nun den Kraftverkehrs-Stützpunkt Zschopau, zunächst noch eingebunden in den VVB (Vereinigung volkseigener Betriebe) Land Sachsen. Mit der Auflösung der fünf Länder in der DDR im Zuge der Verwaltungsreform von 1952 entstanden vierzehn Bezirke. In den jeweiligen Bezirkshauptstädten befand sich dann der Sitz des zuständigen VEB Kraftverkehr, für Zschopau war dieser in Chemnitz, seit 1953 umbenannt in Karl-Marx-Stadt.
Die Linie nach Dittersdorf erschien 1950 im Kraftkursbuch für das Land Sachsen immerhin als eine von wenigen in unserer Region. Sie führte jetzt über das DKW-Werk und Wilischthal nach Weißbach, nicht mehr über Vorderschlößchen. 1952 folgte die Linie nach Krumhermersdorf, auch die Verbindung nach Eppendorf wurde wieder aufgenommen.

Die Anzahl der Fahrten war anfangs zu spärlich. Dem Briefwechsel zwischen der Gemeinde Weißbach und dem Kraftverkehr ist zu entnehmen, dass der Bedarf wesentlich höher war. Als Bedingung für zusätzliche Fahrten nannte die Betriebsstelle Zschopau die Unterbringungsmöglichkeit für einen Omnibus in Weißbach, der dann früh an Ort und Stelle eingesetzt werden könnte und am Abend die letzte Fahrt bis Dittersdorf fahren würde. In Krumhermersdorf entstand aus diesem Grund schon 1928 eine örtliche Omnibusgarage. Die Gemeinde Weißbach stellte zunächst einen Platz im Haus des Fabrikbesitzers Pilz im Jahnweg 4 zur Verfügung. Später wurden die Räumlichkeiten notwendigerweise der Feuerwehr übergeben, der inzwischen größere Bus stand dann im Fabrikhof Lohs & Schubert, Hauptstraße 3.
Im Laufe der Jahre entstand ein nahezu allen Bedürfnissen gerecht werdendes Fahrtenangebot, zudem gab es umfangreiche Vertragsverkehre zu größeren Betrieben für Berufstätige des Ortes zu allen Schichtzeiten. Bei einem Blick in den Fahrplan von 1970 stellt man fest, dass sich die Anzahl der Fahrten seit 1950 verdreifacht hatte. Auch die Auslastung war enorm – nicht selten waren die Busse überfüllt. Bis Mitte der 1960er-Jahre wurde zum Teil mit Anhänger gefahren. Bis dahin waren noch Schaffnerinnen für den Fahrscheinverkauf an Bord, der Busfahrer hatte sich nur auf seine eigentliche Tätigkeit zu beschränken.
In dieser Zeit entstanden auch die massiven Buswartehäuschen in den Orten, die ersten beispielsweise in Weißbach 1963 an der Post und im Niederdorf, das vorläufig letzte 1970 am Gasthof zur Linde in Richtung Gelenau. In Krumhermersdorf konnte durch den Bau der Wendeschleife am oberen Ortsausgang um 1970 die Linie entsprechend erweitert werden. Sie endete bis dahin an der Pfarrstraße, gewendet wurde am Fischerplatz. Mitte der 1960er-Jahre begannen in Zschopau die Planungen für einen neuen Verkehrshof. Die Wagenhalle an der Auenstraße war dem stark gestiegenen Fahrzeugbestand nicht mehr gewachsen.

Die Fahrpreise blieben zu DDR-Zeiten konstant, da sie staatlich subventioniert wurden. Über Jahrzehnte waren pro gefahrenen Tarifkilometer acht Pfennige zu zahlen. Eine Fahrt vom Gasthof zur Linde in Weißbach bis nach Zschopau kostete demnach 65 Pfennige.
Eine nicht unbedeutende Rolle nahm bis zum Ende der DDR der umfangreiche Vertragsverkehr mit zahlreichen Betrieben ein. Das waren im Raum Zschopau der VEB Motorradwerk Zschopau, der VEB DKK (Kühl- und Kraftmaschinen) Scharfenstein, zahlreiche Baumwollspinnereien und die Strumpfbetriebe des Kombinates Esda.

Die Wende und die Wiedervereinigung Deutschlands brachten grundlegende Veränderungen auch bei den Omnibusbetrieben. Die Treuhandanstalt bildete aus dem Volkseigenen Kraftverkehrskombinat Karl-Marx-Stadt die Kraftverkehr AG Chemnitz, aus der 1991 die Busbereiche herausgelöst und kommunalisiert wurden. So entstand die Autobus GmbH Sachsen Regionalverkehr Chemnitz. Im oberen Erzgebirge fand sich der Busverkehr in der BVO (Busverkehr Obererzgebirge) mit Sitz in Aue, später Annaberg-Buchholz zusammen. Beide vereinigten sich, auch als Folge der Entstehung eines großen Erzgebirgskreises, 2010 zu einem leistungsstarken Verkehrsbetrieb und firmieren seit April 2011 als RVE Regionalverkehr Erzgebirge GmbH.
Innerhalb weniger Monate waren 1990/91 fast sämtliche Vertragsverkehre mit den selbst in Schwierigkeiten geratenen Betrieben weggefallen. Damit verbundene Einnahmeverluste, geringere Fahrgastzahlen durch den sprunghaft angestiegenen Individualverkehr und eine geänderte Subventionspolitik waren Ursachen für erste Fahrpreiserhöhungen. Der Wochenendbetrieb auf den Linien rund um Zschopau musste Jahr für Jahr wegen mangelnder Nachfrage gekürzt werden, bis er 1994 gänzlich eingestellt wurde. Lediglich die großen Verbindungen Richtung Chemnitz und Olbernhau und der 1986 eröffnete Stadtverkehr in Zschopau mit ihrem Wochenendbetrieb existieren bis heute.
Die Anzahl der Fahrten und die Fahrzeiten innerhalb der Woche konnten weitestgehend erhalten bleiben. Dies ist in Sachsen nicht zuletzt der Schulreform zu verdanken, denn der anfallende Schülerverkehr, der in den Linienverkehr integriert wurde, sorgte für einen gewissen Ausgleich der Fahrgastzahlen.
1997 konnte die Stadt Zschopau ihren lang gehegten Plan umsetzen und an der Waldkirchner Straße einen neuen zentralen Busbahnhof errichten. Erstmals in ihrer Geschichte starteten und endeten die Zschopauer Linien nicht mehr am Markt. Dies war neben der Stadt Zschopau ein Wunsch der Gewerbetreibenden, um die Innenstadt attraktiver gestalten zu können. Schnell bereute man diesen rigorosen Schritt, da das Stadtzentrum viel Kundschaft damit verlor. Vor dem Markt, an der Langen Straße, musste nun möglichst rasch wieder eine zusätzliche Haltestelle eingerichtet werden.
Die Verbindung zur Eisenbahn erhielt ebenfalls neue Impulse. Seit 2021 rollen nach der umfangreichen Sanierung der Bahnstrecke im Zwönitztal moderne Straßenbahnzüge der City-Bahn im Halbstundentakt ins Zentrum von Chemnitz. Die Linien C 13 Burgstädt–Aue und C 14 Mittweida–Thalheim bieten eine komfortable Stadt-Umland-Verbindung. Der Dittersdorfer Bahnhof gewann damit an Bedeutung und wurde nach über 25 Jahren wieder an die Linie 235 angebunden.
Mit ihr existiert heute eine nahezu ideale Verbindung zwischen Zschopau und Dittersdorf im annähernden Stundentakt mit zahlreichen Anschlussbeziehungen. 100 Jahre alt und doch jung geblieben …
Festschrift „100 Jahre Kraftpostverkehr rund um Zschopau 1926–2026“ von Holger Haase (kann bei Interesse über seine Mailadresse bestellt werden, siehe hier: https://rot-gruen-erz.de/fraktion)




Dazu Thomas Lein, Vorsitzender der SPD-GRÜNE-Fraktion: „Die Petition des Landesschülerrats Sachsen setzt ein wichtiges Signal. Schulsozialarbeit ist heute ein fester Bestandteil guter Bildung und unterstützt Schülerinnen und Schüler dort, wo Unterricht allein an Grenzen stößt.


Kay Meister ist für die SPD-GRÜNE-Fraktion Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Er ist freiberuflicher Diplom-Biologe und Umweltbildner sowie Kreisnaturschutzbeauftragter.










„Die Amphibien sind die gefährdetste Wirbeltiergruppe im Erzgebirgskreis. Gleichzeitig fällt sie auch am wenigsten auf“, so Fraktionsmitglied Kay Meister. „Noch ist der Grasfrosch neben der Erdkröte unser häufigster heimischer Lurch. Langfristig ist jedoch von einem deutlichen Rückgang der Grasfroschpopulationen im Erzgebirge auszugehen.“
Grasfrosch. Beide Fotos von Kay Meister


