Text und Bilder: Kay Meister
Die Vogelbeere oder Eberesche wird im bekannten Volkslied aus dem Erzgebirge liebevoll besungen: „Kann schönnern Baam gibt’s wie ann Vugelbeerbaam …“ Mit ihren gelblich-weißen Doldenrispen, knallroten Früchten und der orangegelben Herbstfärbung gehört sie zur erzgebirgischen Landschaft, gerade in der Kammregion. Aber wie lange noch?

Die Eberesche besitzt in der erzgebirgischen Traditionspflege besondere Bedeutung und gilt speziell für die höheren Lagen des Erzgebirges als ökologisch wertvoll. Früher identifizierten sich die Menschen in den Kammgemeinden mit der Eberesche als „ihrem“ Symbolbaum. Diese Beziehung und damit ein wesentlicher Bestandteil der Heimatbezogenheit ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.
Heute ist der Ebereschenbestand in den Siedlungen stark überaltert. Naturschützer und Fachleute bezeichnen den Gesundheitszustand des erzgebirgischen Traditionsbaumes als „besorgniserregend“. An vielen Stellen im Erzgebirge verschwinden die Ebereschen aus dem Straßenbild. Sie sterben ab oder werden gefällt. Nachgepflanzt wird in der Regel nicht. Das Erzgebirge hat fast alle historischen Ebereschenbestände an seinen Straßen in den letzten Jahrzehnten verloren.

Die Eberesche besitzt zahlreiche pflanzliche und tierische Feinde. Pilzerkrankungen treten etwa durch den Hallimasch auf, der Kernfäule hervorruft. Insekten wie Weißdornkäfer, Rüsselkäfer, Ringelspinner und vor allem die Ebereschenmotte verursachen Blattschäden. Eine weitere Krankheit ist die Chlorose, die Bleichsucht. Durch einen hohen Gehalt an Kochsalz im Boden, zum Beispiel durch Streusalz, färben sich die Blätter gelb, der Baum wird geschwächt. Die Eberesche toleriert normalerweise viel, kommen jedoch mehrere Faktoren zusammen, etwa noch ein Virusbefall, kann der Baum sterben.
In der Vegetationszeit vom 1. März bis 30. September ist es außerhalb des Waldes gesetzlich verboten, Bäume zu fällen sowie Hecken, Gebüsche und andere Gehölze zu beseitigen. Bei der unteren Naturschutzbehörde können Ausnahmegenehmigungen beantragt werden. Aber: Jeder Baum ist ein eigenes Ökosystem, ein Lebensraum für viele Vögel, Insekten und Säugetiere. Das Leben im Baum brummt in der Vegetationszeit. Und beim erzgebirgischen Traditionsbaum, dem Vogelbeerbaum, ist jede einzelne Fällung tragisch.
Gegen das Verschwinden des Vugelbeerbaams kann der Landkreis und können wir etwas tun: die Bäume hegen, pflegen, stehen lassen und neue pflanzen. Damit auch in Zukunft Ebereschen an den hiesigen Straßen grüßen und der „Kann’r“ (Kantor) mit „sei Weibs’n“ unter dem Baum am Haus sitzen kann, wie es im Volkslied von Förster und Mundartdichter Max Schreyer heißt. Denn: „Kann schönnern Baam gibt’s wie ann Vugelbeerbaam …“
Bild 1: Nicht jedes Jahr tragen Ebereschen reich Frucht. Wenn die Bäume viele Beeren haben, gilt das im Erzgebirge als Vorbote für einen strengen Winter.
Bild 2: Historische Postkartenmotive aus dem oberen Erzgebirge (hier Rübenau) zeigen oft Vogelbeerbäume als Straßenbegleiter.
Kay Meister ist für die SPD-GRÜNE-Fraktion Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Er ist freiberuflicher Diplom-Biologe und Umweltbildner sowie Kreisnaturschutzbeauftragter.











„Die Amphibien sind die gefährdetste Wirbeltiergruppe im Erzgebirgskreis. Gleichzeitig fällt sie auch am wenigsten auf“, so Fraktionsmitglied Kay Meister. „Noch ist der Grasfrosch neben der Erdkröte unser häufigster heimischer Lurch. Langfristig ist jedoch von einem deutlichen Rückgang der Grasfroschpopulationen im Erzgebirge auszugehen.“
Grasfrosch. Beide Fotos von Kay Meister






Kreisrat Hendrik Uhlmann ist Hobbyimker und Vorsitzender des Imkervereins Zschopau und Umgebung e. V. Er erzählte Wissenswertes und Spannendes über Bienenhaltung, Honiggewinnung und wie es um Nahrung für die Bienen steht. „Vom Frühjahr bis in den Sommer hinein, wenn alles blüht, auch die Rapsfelder und die Linden, können die Bienen genug Nektar und Pollen sammeln. Danach wird es eng, da Felder und Wiesen im Erzgebirgskreis zumeist intensiv bewirtschaftet werden.“
Näher als bei dieser Gelegenheit kann man Bienen kaum kommen – die Einblicke in das Leben von Arbeitsbienen, Königin und Drohnen gabs sozusagen live und in Farbe. Ein Hauptjob des Imkers ist es, für die Gesundheit der Bienen zu sorgen, sodass sie Pflanzen bestäuben und Honig liefern können. „Ich empfehle auch unbedingt, Honig beim lokalen Imker zu kaufen“, so Hendrik Uhlmann. „Da weiß man, was drin ist, dieser Honig hat keine Zusätze. Man unterstützt die Bienenhaltung vor Ort und damit die Artenvielfalt. In dem Honig sind außerdem die Pollen der hiesigen Pflanzen, was bei Heuschnupfen helfen kann.“
Kay Meister ist für die Fraktion Mitglied in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland sowie Kreisnaturschutzbeauftragter. Er führte an dem Tag mehrere Gruppen über die Bergwiese zu den Bienenstöcken und hatte jede Menge Infos zu Flora und Fauna parat. Ein großes Anliegen von ihm ist der Erhalt der erzgebirgischen Bergwiesen. „Für die Wiesen ist es wichtig, dass sie blühen und verblühen können, damit Zittergras, Heidenelke, Arnika, Klappertopf und andere typische Bergwiesenpflanzen Samen bilden und im nächsten Jahr wieder wachsen.“
Für die erzgebirgischen Bergwiesen sowie Bienen und Co. können alle etwas machen, zum Beispiel Lupinen pflücken (Infos dazu
Antworten auf sämtliche Fragen zu dem Thema finden sich unter anderem auf den Websites von NABU und BUND. Entsprechende Broschüren konnte man vor Ort anschauen und mitnehmen, was auch Fraktionsmitglied Undine Fritzsche nutzte.
Ein absoluter Favorit bei Insekten, egal ob auf der Bergwiese oder im Garten, ist die Distel. „Ein großer Vorteil von Disteln ist, dass sie so lange blühen, bis in den Spätsommer hinein. Damit sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten“, so Kay Meister. 



