Zum achten Mal loben der Landrat und der Kreistag des Erzgebirgskreises den Ehrenamtspreis „Erzgebürger“ aus. Man kann dafür Personen, Vereine, Gruppierungen, Institutionen oder Projekte im Landkreis vorschlagen.
Es gibt vier Kategorien: Engagement für das Gemeinwohl, Engagement für eine lebenswerte Heimat, Engagement für Kultur, Sport und Tourismus sowie „Jung und engagiert im ERZ“.
Die Vorschläge sind bis Montag, 31. März 2026, einzureichen, und zwar online, per E‑Mail oder Brief.
Eine Jury ermittelt die Preisträgerinnen und Preisträger. Diese werden bei einer Gala am 6. November 2026 im Kulturhaus Aue bekannt gegeben.
Von der SPD-GRÜNE-Fraktion ist Holger Haase Mitglied der Jury: „Diese Ehrung will Hoffnung wecken, Mut machen, Ansporn sein und findet sachsenweit viel Beachtung. Der Erzgebirgskreis schenkt seinen Ehrenamtlichen damit große Aufmerksamkeit, verbunden mit Mutmachsignalen an die, die oft im Verborgenen Gutes tun und sich ohne viel Aufheben für die Allgemeinheit oder Hilfsbedürftige einsetzen.“
„Es ist richtig und wichtig, dass der Erzgebirgskreis trotz der angespannten Haushaltslage an der Auszeichnung festhält“, so Fraktionsvorsitzender Thomas Lein. „Die ehrenamtlich tätigen Menschen sind für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft von wesentlicher Bedeutung. Sie übernehmen Aufgaben, welche die Kommunen selbst nicht stemmen können. Vor ihrer Arbeit können wir nur den Hut ziehen und unsere allerhöchste Wertschätzung zeigen.“
In letzter Zeit liest man öfter über Schulsozialarbeit im Erzgebirgskreis, meist steht dann die Stelle der Schulsozialarbeiterin oder des Schulsozialarbeiters auf der Kippe, da kein Geld (mehr) dafür da ist.
Was ist Schulsozialarbeit genau, was bringt sie, ist sie Luxus oder ein Muss? Diese und weitere Fragen haben wir an die Duale Hochschule Sachsen, Staatliche Studienakademie Breitenbrunn geschickt. Lehrende des Studiengangs Soziale Arbeit haben sie beantwortet.
1. Was ist eigentlich Schulsozialarbeit?
Schulsozialarbeit ist ein professionelles Unterstützungsangebot an Schulen, das Schülerinnen und Schüler in ihrer persönlichen, sozialen und schulischen Entwicklung stärkt, Konflikte bearbeitet und als Bindeglied zwischen Schule, Elternhaus und Jugendhilfe wirkt.
Schulsozialarbeit ist durch das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz vom 09. Juni 2021 als eigener Paragraf (13a SGB VIII) in den Kanon der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe aufgenommen worden. Damit legitimiert sich der Auftrag der Sozialen Arbeit, an Schulen sozialpädagogisch wirksam zu werden.
2. Wie unterstützt die Schulsozialarbeiterin einzelne Schülerinnen und Schüler?
Die Schulsozialarbeiterin unterstützt einzelne Schülerinnen und Schüler, indem sie ihnen in einem geschützten, vertraulichen Rahmen als Ansprechperson zur Verfügung steht. Sie bietet individuelle Beratungsgespräche an, in denen persönliche, schulische oder familiäre Anliegen thematisiert werden können. Dabei geht es sowohl um die Stärkung sozialer Kompetenzen und persönlicher Ressourcen als auch um die Bearbeitung von Konflikten, Krisen oder Belastungssituationen.
Der Vorteil einer Sozialpädagogischen Unterstützung liegt darin, dass junge Menschen nicht nur in ihrer Rolle als Schülerinnen und Schüler betrachtet werden, sondern als junger Mensch in einer besonderen Lebensphase (Kindheit, Jugend). Durch diesen ganzheitlichen Blick (unabhängig von schulischen Leistungen und Bewertungen) ist es möglich, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, was für Lehrkräfte in der Regel verwehrt bleibt.
3. Welche Vorteile bietet die Schulsozialarbeit für die gesamte Schulgemeinschaft?
Schulsozialarbeit trägt dazu bei, ein positives Klassenklima zu fördern, indem sie präventiv arbeitet, Konflikte frühzeitig bearbeitet und das soziale Miteinander stärkt. Durch Projekte, Trainings und Gruppenangebote unterstützt sie Teamfähigkeit, Toleranz und respektvolle Kommunikation innerhalb der Schülerschaft.
Geht es den einzelnen Schülerinnen und Schülern gut, steigt auch das Wohlbefinden aller Menschen, die in einer Schule wirken. Problemlösungen, die in einem Aushandlungsprozess auf Augenhöhe mit den jungen Menschen entwickelt werden, sind dabei in der Regel nachhaltiger als Anordnungen und Konsequenzen von Autoritätspersonen wie der Lehrkraft.
Für Lehrkräfte bedeutet Schulsozialarbeit eine Entlastung, da sie in herausfordernden Situationen beratend und vermittelnd zur Seite steht. Eltern wiederum profitieren von einer niedrigschwelligen Anlaufstelle, die bei schulischen und familiären Fragen Orientierung bietet.
Schulsozialarbeit ist jedoch nicht dafür verantwortlich, Lehrkräfte in ihrem Bildungsauftrag zu entlasten und Unterrichtsausfall zu kompensieren oder formale Bildungsangebote zu entwickeln.
4. Mit wem arbeitet die Schulsozialarbeiterin zusammen?
Schulsozialarbeit richtet sich in erster Linie an die jungen Menschen. Um die Zielstellungen (siehe Punkt 2) zu erreichen, kooperiert Schulsozialarbeit auf unterschiedlichen Ebenen: innerhalb der Schule (mit Lehrer:innen, der Schulleitung, pädagogischem Personal), mit den Familien der jungen Menschen und (bei Bedarf) mit externen Institutionen (z. B. Beratungsstellen).
5. Lässt sich bewerten, welchen Effekt Schulsozialarbeit ganz konkret hat?
Schulen, die schon lange eine Schulsozialarbeiterin haben, berichten positive Effekte. Exemplarisch können die Ergebnisse der „Prozessbegleitenden Evaluierung des Landesprogramms Schulsozialarbeit“ aus dem Jahr 2020 angeführt werden:
Schulsozialarbeit ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbares Angebot im heutigen Bildungssystem. Schulen sind längst nicht mehr nur Orte des Lernens, sondern auch Lebensräume, in denen vielfältige soziale, emotionale und gesellschaftliche Herausforderungen sichtbar werden. Insbesondere das Ganztagsförderungsgesetz trägt dazu bei, dass Kinder zunehmend mehr Zeit in der Institution Schule verbringen können und entsprechend einer adäquaten Betreuung bedürfen. Hier bietet Schulsozialarbeit eine niedrigschwellige, kontinuierliche
Unterstützung, die Schülerinnen und Schülern beim Bewältigen von Krisen, Konflikten oder Benachteiligungen hilft und damit Bildungschancen sichert und Chancengerechtigkeit fördert.
7. Ist eine Schulsozialarbeitsstelle an einer Schule genug?
Ob eine einzelne Schulsozialarbeitsstelle für eine Schule ausreicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Der tatsächliche Bedarf hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Dazu zählen insbesondere die Größe der Schülerschaft, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der Schülerschaft (bspw. Migration, Erwerbstätigkeit der Eltern, Sozialleistungsbezug), die Lage der Schule (z. B. in sozial benachteiligten Stadtteilen oder in ländlichen Regionen) sowie die Verfügbarkeit weiterer unterstützender Angebote (z. B. Inklusionsassistenz, Einzelfallhilfe, Schulpsychologie).
In Schulen mit komplexen Problemlagen und einem hohen Unterstützungsbedarf ist eine einzelne Fachkraft oft nicht ausreichend, da die Vielzahl an Aufgaben von einer Person nur schwer leistbar ist.
8. Wer bezahlt die Schulsoziarbeitsstellen?
Die Schulsozialarbeit wird durch die Mittel des Land Sachsen sowie der zuständigen Kommune/Gebietskörperschaft finanziert.
9. Der Freistaat bezahlt nur Schulsozialarbeitsstellen an Oberschulen komplett. Brauchen Gymnasien und Grundschulen keine Schulsozialarbeiterin?
Kinder und Jugendliche können in ihrer Entwicklung unabhängig von ihrer aktuell besuchten Schulform Unterstützung benötigen. Hierzu Verweis auf Frage 6.
10. Welche Ausbildung und Qualifikationen braucht man als Schulsozialarbeiterin?
Entsprechend der Fachempfehlung zur Schulsozialarbeit im Freistaat Sachsen müssen die tätigen Fachkräfte „neben ihrer persönlichen Eignung über einen berufsqualifizierenden sozialpädagogischen Hochschulabschluss verfügen“ (2017: 13).
11. Kann man mit einem Abschluss von der Studienakademie Breitenbrunn Schulsozialarbeiterin werden?
Ja, unabhängig von der gewählten Studienrichtung ist es mit dem Abschluss der Studienakademie Breitenbrunn (DHSN) möglich, als Schulsozialarbeiterin zu arbeiten. Am besten vorbereitet sind jedoch Absolvent:innen aus der Studienrichtung Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit.
12. Welchen Eindruck haben Sie: Steigt oder sinkt das Interesse an einer Ausbildung zur Schulsozialarbeiterin?
Das Interesse an einer Ausbildung ist grundsätzlich vorhanden, da das Arbeitsfeld Schule ein bekanntes und attraktives Tätigkeitsfeld darstellt. Es bietet vergleichsweise geregelte Arbeitszeiten sowie eine enge Anbindung an ein institutionelles Setting, was für viele Fachkräfte attraktiv ist. Allerdings bestehen deutliche strukturelle Hürden: Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind in der Regel nicht in der Lage, die Studienvergütungen zu finanzieren. Entsprechend sind es aktuell vor allem private Schulträger, die als Praxispartner Studienplätze anbieten.
13. Denken Sie, dass Schulsozialarbeit angemessen gewürdigt wird?
In Bezug auf Frage 5 ist davon auszugehen, dass die Schulen selbst Schulsozialarbeit angemessen würdigen. Insbesondere im öffentlichen und nicht-schulischen Diskurs scheint jedoch keine angemessene Würdigung zu erfolgen. Dies zeigt sich unter anderem in der Befristung von Arbeitsverträgen (und damit einer Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen) und der Tatsache, dass insbesondere politische Akteure immer wieder über die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit debattieren.
14. Welche Empfehlungen haben Sie an politische Entscheidungsträger bezüglich Schulsozialarbeit?
Die Finanzierung der Schulsozialarbeit sollte langfristig und verlässlich gestaltet werden. Idealerweise sollte die Zuständigkeit vollständig in die Länderfinanzierung überführt werden, analog zur Vergütung von Lehrkräften durch den Freistaat, um Planungssicherheit und institutionelle Stabilität zu gewährleisten.
Darüber hinaus ist es notwendig, die Ausbildung von Schulsozialarbeiter:innen systematisch zu fördern, insbesondere durch die Sicherstellung der Studienvergütung, um den Praxispartnern die Ausbildung von qualifizierten Nachwuchskräften zu ermöglichen.
Schließlich sollte Schulsozialarbeit als fester, selbstverständlicher Bestandteil schulischer Infrastruktur an allen Schulformen etabliert werden. Eine flächendeckende Präsenz würde nicht nur die Qualität der individuellen Unterstützung erhöhen, sondern auch die Rolle von Vertrauenslehrkräften ergänzen oder teilweise ersetzen, wodurch zusätzliche Unterrichtsressourcen freigesetzt werden könnten.
„Wir bedanken uns herzlich bei den Lehrenden des Studiengangs Soziale Arbeit an der DHSN Breitenbrunn für die Beantwortung der Fragen. Ich stimme zu: Schulsozialarbeit ist kein Luxus, sondern heutzutage unentbehrlich an Schulen – auch an Gymnasien“, so Thomas Lein, Vorsitzender der SPD-GRÜNE-Fraktion. „Denn Kinder und Jugendliche benötigen unabhängig von der Schulform Unterstützung in Krisen, bei Konflikten und in ihrer persönlichen Entwicklung.
Schulsozialarbeit stärkt das Miteinander, entlastet Lehrkräfte und fördert Chancengleichheit. Damit ihre Wirkung nachhaltig gesichert wird, braucht es eine verlässliche Finanzierung, ausreichend Stellen und die flächendeckende Verankerung in allen Schulformen.“
Zuständig für Entscheidungen zur Jugendhilfe und Schulsozialarbeit ist im Erzgebirgskreis der Jugendhilfeausschuss. Dieser hat 24 Mitglieder, darunter acht Kreistagsmitglieder, die aus den Fraktionen CDU/FDP, AfD und Freie Wähler kommen. Die SPD-GRÜNE-Fraktion hat keinen Sitz in diesem Ausschuss.
Offensichtlich reicht das Geld nicht, das der Landkreis für Schulsozialarbeit zur Verfügung hat bzw. stellt. Nach aktuellem Stand könnten vier Gymnasien und eine Grundschule von einer Streichung der Schulsozialarbeitsstelle zum Jahresende betroffen sein. Grundlage für die Auswahl dieser Schulen ist eine Art Ranking, eine „priorisierte Schulstandortliste“ des Landratsamts mit Kriterien wie Anzahl Schülerinnen/Schüler und Schulpflichtverletzung.
Dr. Elke Stadler ist für die Fraktion Mitglied im Ausschuss für Familie, Bildung, Gesundheit und Soziales: „Bei aller Skepsis gegenüber den geplanten Einsparungen bei der Schulsozialarbeit halte ich es für besonders bedenklich, wenn es auch Grundschulen betreffen soll. Gerade in der Grundschule werden schließlich wichtige Weichen für die weitere Entwicklung unserer Kinder auf vielen Gebieten gestellt.“
Fraktionsmitglied Hendrik Uhlmann kritisiert, dass der Landkreis die Schulsozialarbeit an den fünf Schulen nicht weiter fördern will: „Die Stellen sollen jetzt eingespart werden, weil es an diesen Schulen vielleicht aktuell gut oder besser als an anderen Schulen funktioniert. Dabei ist der Erfolg ein Argument für den Erhalt, nicht für die Kürzung. Werden die Schulsozialarbeitsstellen gestrichen, eskaliert es irgendwann wieder. Darüber hinaus bedeutet die Entlassung von Fachpersonal einen Einschnitt und Verlust. Die Sozialarbeiter müssen sich zwischenzeitlich neue Jobs suchen, sie zurückzugewinnen oder neue zu finden, ist langwierig und ressourcenintensiv.“
Am Sonntag, den 20. Juli 2025, laden wir herzlich zu unserer Veranstaltung „Triff die Kreistagsfraktion bei den Bienen“ ein. Sie ist von 10 bis 13 Uhr in Marienberg OT Rübenau im Natzschungtal, Ortsausgang Richtung Olbernhau, Olbernhauer Straße Ecke Unterer Natzschungweg – direkt am Wildbienenlebensraum Bergwiese.
Hendrik Uhlmann und Kay Meister von der SPD-GRÜNE-Fraktion werden einiges über Honig- und Wildbienen, Bienenwanderung und Bienenhaltung sowie praktischen Naturschutz erzählen und beantworten gerne Fragen dazu. Hendrik Uhlmann ist Hobbyimker und Vorsitzender des Imkervereins Zschopau u. U. e. V. Kay Meister ist für die Fraktion Mitglied in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Naturpark Erzgebirge/Vogtland sowie Kreisnaturschutzbeauftragter.
Auch andere Fraktionsmitglieder sind vor Ort und haben ein offenes Ohr für alle Fragen rund um den Kreistag und die Fraktionsarbeit.
Parkplätze sind begrenzt, alternativ kann man in Rübenau parken und die etwa 1,5 Kilometer zum Treffpunkt spazieren.
Zum siebten Mal wird in diesem Jahr der Ehrenamtspreis des Erzgebirgskreises „Erzgebürger“ verliehen. Es gibt vier Kategorien: „Engagement für das Gemeinwohl“, „Engagement für eine lebenswerte Heimat“, „Engagement für Kultur, Sport und Tourismus“ sowie „Jung und engagiert im ERZ“. Man kann dafür Personen, Vereine, Gruppierungen, Institutionen oder Projekte im Landkreis vorschlagen, das war bis zum 31. März 2025 möglich.
Am Montag, den 26. Mai 2025, traf sich die Erzgebürger-Jury, um die zehn Preisträgerinnen und Preisträger zu ermitteln. Die Jurymitglieder kommen aus den Kreistagsfraktionen, der Landkreisverwaltung und der Erzgebirgssparkasse. Von der SPD-GRÜNE-Fraktion ist Holger Haase dabei: „Aus 103 Vorschlägen mit teils ganzseitigen Begründungen war auszuwählen, wer die Preise erhalten soll. Das waren schwere Entscheidungen. Ich hatte mir alles ausgedruckt, zwei Ordner voll, die ich immer wieder gewälzt habe, Notizen gemacht, Vorentscheidungen getroffen – das Thema hat mich in den letzten Wochen also stark beschäftigt.“
Die vier Hauptpreise sind mit 2.000 Euro dotiert, jeweils zwei weitere Preise mit 1.000 Euro und 500 Euro, außer beim Sonderpreis. An wen diesmal die Preise gehen, bleibt allerdings noch ein paar Monate geheim: Die Namen werden bei der Erzgebürger-Gala am 7. November 2025 im Kulturhaus Aue bekannt gegeben.
Erzgebürger-Gala am 8. November 2024 im Kulturhaus Aue. Foto: Holger Haase
„Ich war erneut überrascht von Umfang und Vielfältigkeit der eingereichten Vorschläge. Sie zeigen ein breites Spektrum ehrenamtlicher Arbeit in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Oftmals bleiben die Engagierten im Hintergrund. Dies soll der Ehrenamtspreis zu einem Teil ändern und solche Menschen und Vereine ins Licht bringen“, so Holger Haase.
„Bauchschmerzen bekommt man als Jurymitglied mitunter, wenn man sieht, wie viele Ehrenamtliche unberücksichtigt bleiben, manchmal fehlen nur wenige Punkte zur Auszeichnung. Eine kleine Entschädigung bietet allen die Teilnahme an der großen Erzgebürger-Gala. Jenen, die dann keinen Preis erhalten, möchte ich Mut machen, einen zweiten Versuch bei der nächsten Ausschreibung zu starten.“
Die SPD-GRÜNE-Fraktion im Kreistag des Erzgebirgskreises hat die Resolution von CDU/FDP und BSW zur finanziellen Lage des Landkreises mit Forderungen an die sächsische Landesregierung und den Landtag nicht unterzeichnet. Gründe dafür sind die kurzfristige Vorlage des fertigen Dokuments sowie inhaltliche Aspekte, etwa die Ausführungen zu den Sozialleistungen.
Die strukturelle Unterfinanzierung der sächsischen Landkreise stellt ein gravierendes Problem dar, hier besteht dringender Handlungsbedarf. Mit einem prognostizierten Defizit von bis zu 78 Millionen Euro jährlich ab 2026 und einem erwarteten Kassenkreditvolumen von 388 Millionen Euro bis Ende 2029 steht der Erzgebirgskreis vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Die SPD-GRÜNE-Fraktion sieht die Dringlichkeit der Situation, kritisiert jedoch den Umgang der anderen Fraktionen mit dieser Problematik.
„Die Resolution wurde uns am Freitag vor der Kreistagssitzung übermittelt, jede Möglichkeit der Mitgestaltung wurde von vornherein ausgeschlossen“, erklärt Fraktionsmitglied Hendrik Uhlmann. „Besonders problematisch ist, dass in der vierten Forderung der Resolution pauschal alle Sozialleistungen infrage gestellt werden. Eine solche undifferenzierte Betrachtung sozialpolitischer Maßnahmen können und wollen wir nicht mittragen. Statt einseitig bei den Schwächsten zu kürzen, sollten wir beispielsweise umweltschädliche Subventionen auf den Prüfstand stellen, Bürokratieabbau beschleunigen und Sozialkriminalität wirksam bekämpfen, um die sogenannten ‚Soziallasten der Landkreise‘ gegenzufinanzieren“, so Uhlmann weiter.
Die Fraktion weist darauf hin, dass die Christdemokraten seit Gründung des Freistaates Sachsen durchgehend den Finanzminister stellen und somit maßgebliche Verantwortung für die aktuelle Finanzsituation tragen. Bereits im Herbst 2024 hatte die CDU/FDP-Fraktion mit Unterstützung anderer Fraktionen und Gruppen im Erzgebirgskreistag demonstrativ Mehrausgaben für Sozialleistungen nicht verabschiedet, um ein Zeichen zu setzen. „Bis heute gab es keine Reaktion der Landesregierung auf diesen Schritt. Statt nun differenziert vorzugehen, wird erneut zu symbolpolitischen Maßnahmen gegriffen, die die eigentlichen Probleme nicht lösen“, kritisiert Hendrik Uhlmann.
Die SPD-GRÜNE-Fraktion fordert stattdessen einen transparenten Prozess zur Lösung der finanziellen Herausforderungen des Landkreises, der soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit berücksichtigt und alle demokratischen Kräfte einbezieht.
Bei der gestrigen Kreistagssitzung stimmten die Kreisrätinnen und Kreisräte unter Tagesordnungspunkt 12 über den Verkauf des Fichtelberghauses mit Fichtelbergplateau ab. Das Statement von Hendrik Uhlmann, der für die SPD-GRÜNE-Fraktion im Gremium zur Bewertung der Verkaufsangebote fürs Fichtelberghaus ist:
Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Kreisräte und Kreisrätinnen, sehr geehrte Familie Gläß und Gäste,
wir als SPD-GRÜNE-Fraktion werden dem Verkauf des Fichtelberghauses zustimmen.
Lassen Sie mich drei wesentliche Punkte nennen, warum.
1. Unser Landkreis steht vor der Herausforderung, dass das Hotel nach über zwanzig Jahren dringend einer grundhaften Sanierung bedarf. Eine Investition, die wir als Landkreis weder stemmen können noch sollten. Der Landkreis sollte sich auf seine Grundaufgaben konzentrieren. Der Verkauf ist daher nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig.
2. Mit der Familie Gläß gewinnen wir Investoren, die finanzkräftig und tief in der Region verwurzelt sind. Ihr langjähriges Engagement für den Wintersport und ihre Erfahrung in der Tourismusbranche sind vielversprechend für die Zukunft des Fichtelbergs. Zudem zeigen der Zukauf der FSB durch die Familie Gläß und die angrenzenden Projekte, dass die Tourismusregion Fichtelberg als Ganzes gedacht werden muss und nur mit ihren vielen kleinen Bausteinen gemeinsam funktioniert.
3. Drittens, und das ist unserer Fraktion besonders wichtig: Das ist die Chance auf Nachhaltigkeit. Wir stehen vor der einmaligen Gelegenheit, den Tourismus am Fichtelberg neu zu denken. Weg von kurzfristigen Profiten, hin zu einem ganzjährigen, umweltverträglichen Tourismus- und Sportkonzept, das sowohl im Winter als auch im Sommer attraktiv ist. Für alle Menschen.
Lassen Sie mich das noch einmal klarstellen: Unser Ja zum Verkauf des Fichtelberghauses ist kein Blankoscheck. Wir fordern eine konsequente Ausrichtung aller Projekte auf nachhaltigen und umweltverträglichen, sanften Tourismus. Die Einhaltung aller Umweltauflagen aus den schon genehmigten und zukünftigen Bauprojekten ist für uns nicht verhandelbar. Kahlschläge und Brachialeingriffe in die Natur müssen der Vergangenheit angehören.
Wir sehen den Fichtelberg der Zukunft als einen Ort, an dem Tourismus und Naturschutz Hand in Hand gehen. Einen Ort, der Einheimische und Gäste gleichermaßen begeistert – weil Tourismus im Einklang mit der Natur attraktiv ist.
An die Familie Gläß richten wir den Appell: Nutzen Sie diese Chance, um zu zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Umweltschutz keine Gegensätze sein müssen. Machen Sie den Fichtelberg zu einem Vorzeigemodell für nachhaltigen, sanften Bergtourismus in Zeiten des Klimawandels.
In diesem Sinne werden wir als SPD-GRÜNE-Fraktion die Entwicklungen auf dem Fichtelberg weiterhin aufmerksam und konstruktiv begleiten. Wir werden aber auch mit Nachdruck auf Missstände im Umwelt- und Naturschutz hinweisen.
Denn eines ist klar: Der Erfolg dieses Projekts ist nicht nur der Erfolg der Familie Gläß, sondern der Erfolg unserer gesamten Region.
Am gestrigen Mittwoch, den 18. Dezember 2024, hat der Kreistag des Erzgebirgskreises dem Verkauf des Fichtelberghauses und des Fichtelbergplateaus an die Fichtelberghaus Invest GmbH aus Oberwiesenthal zugestimmt.
Der Landkreis ist seit 2008 (als Rechtsnachfolger des Landkreises Annaberg) Eigentümer des Hotels Fichtelberghaus und des umgebenden Grundstücks auf dem Gipfel des Fichtelbergs. In das Hotel muss nach über zwanzig Jahren ohne grundhafte Sanierung in großem Umfang investiert werden. Der Landkreis kann und will dies nicht leisten und verkauft deshalb Hotel und Grundstück. Hinter der Fichtelberghaus Invest GmbH stehen Rainer und Constantin Gläß. Unternehmer Rainer Gläß aus dem Vogtland ist Mitgründer und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von GK Software. Sein Sohn Constantin Gläß ist seit 2022 Geschäftsführer der Liftgesellschaft Oberwiesenthal LGO und Pächter des Fichtelberghauses. Die LGO kauft auch die Fichtelbergschwebebahn FSB. Familie Gläß hat somit bereits einen Stand in der Region, sie engagiert sich seit Langem für den alpinen Wintersport und unterstützt den Skiverband Sachsen.
Aus Sicht unserer Fraktion gibt es zum Verkauf des Fichtelberghauses an Familie Gläß keine Alternative. Sie sind bereit, viel Geld zu investieren, damit der Fichtelberg auch in Zukunft Einheimische und Touristen anzieht. Andere Skigebiete in Europa stellen ihren Betrieb aufgrund des Klimawandels ein – kein Schnee, kein Skitourismus. Familie Gläß ist dennoch bereit, sich langfristig für den Tourismus und die Wirtschaft in Oberwiesenthal einzusetzen. Dies begrüßt auch Kreisrat Hendrik Uhlmann, der für die SPD-GRÜNE-Fraktion im Gremium zur Bewertung der Verkaufsangebote fürs Fichtelberghaus ist.
Die Fraktion fordert jedoch eine klare Ausrichtung auf einen nachhaltigen und umweltverträglichen Tourismus, sowohl im Winter als auch im Sommer. Ein respektvoller Umgang mit den natürlichen Ressourcen sollte selbstverständlich sein. Sämtliche Auflagen aus den Umweltgutachten müssen konsequent eingehalten und umgesetzt werden, Bauprojekte den Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes entsprechen. Die Zeit von Kahlschlägen und Brachialeingriffen ist vorbei – Tourismus im Einklang mit der Natur ist besser für die Einheimischen und attraktiver für Gäste aus nah und fern. In diesem Sinne werden wir die Entwicklungen auf dem Fichtelberg weiterhin aufmerksam verfolgen und wünschen der Familie Gläß bei ihrem Fichtelberg-Projekt gutes Gelingen.
Fürs Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz wurde Mitte November eine Petition gestartet. Sie richtet sich an den sächsischen Finanzminister. Ziel ist die finanzielle Sicherheit und damit der Erhalt des Theaters. Hintergrund ist, dass aktuell die Haushalte für die nächsten zwei Jahre von Städten, Gemeinden, Landkreisen und Freistaat aufgestellt werden. Bei Kultur dürfe nicht weiter gespart werden, denn sie sei bereits unterfinanziert und müsse jährlich um Zuschüsse kämpfen.
Die SPD-GRÜNE-Fraktion bekennt sich zu Kultur und Theater im Erzgebirgskreis: Das Land braucht Theater!
Der Mensch braucht Kultur. Das Winterstein-Theater ist das einzige Berufstheater im Erzgebirgskreis mit seinen 327.739 Einwohnerinnen und Einwohnern. Es bietet Unterhaltung für die ganze Familie: von Märchen für die Kleinsten bis zu Operetten für die Älteren. Es geht auch in Schulen, bietet Theater im Klassenzimmer, Schultheatertage und Schulkonzerte sowie das Theater-Jugendabo und das Konzert-Jugendabo, eine Karte für fünf Euro.
Theater bietet Unterhaltung. Und mehr als das: Dort trifft man andere, kommt auch mal ins Nachdenken, wird inspiriert. Das Winterstein-Theater ist ein Stück kulturelle Identität und steht für die Vielfalt des Erzgebirges. Es macht unsere Region attraktiver für Menschen, die hier leben oder die überlegen, herzuziehen, von Ärztin über Pflegefachkraft bis Bauleiter. In der Freizeit wandern, Rad und Ski fahren, aber auch Konzerte und Theatervorstellungen besuchen? Klar, das geht.
Und das soll so bleiben. Kultur und Theater sind eine Investition in die Zukunft der Region. Die Menschen brauchen Kultur. Das Land braucht Theater!
Am Dienstag, den 10. Dezember 2024, ist schon wieder Kreistagssitzung.
Eine Sondersitzung, weil die Mehrheit der Kreisrätinnen und Kreisräte zuerst am 23. Oktober und dann nochmals am 13. November Mehrausgaben für Sozialleistungen abgelehnt hat – um ein „politisches Zeichen“ zu setzen, nebenbei bemerkt.
Die Landesdirektion Sachsen hat sich eingeschaltet, denn die Ablehnung ist rechtswidrig. Innerhalb von zwei Wochen nach Eingang des Bescheids müssen die drei Beschlussvorlagen im Kreistag abgestimmt werden, deshalb war die reguläre Sitzung am 18. Dezember zu spät.
Zwei Sondersitzungen des Kreistags, das ist ein teures politisches Zeichen. Und was soll es gebracht haben?
Die SPD-GRÜNE-Fraktion lehnt auch etwas ab, und zwar diese sinnlose Blockadehaltung.
Infos zur Sondersitzung am 10. Dezember 2024 im Rats- und Bürgerinformationssystem des Erzgebirgskreises: ris.erzgebirgskreis.zv-kisa.de
Die SPD-GRÜNE-Fraktion im Erzgebirgskreistag hat am heutigen Donnerstag, den 5. Dezember 2024, eine Anfrage an den Landrat und an Marcel Koch, Geschäftsführer des Erzgebirgsklinikums, gesendet.
Offensichtlich gibt es zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitenden des Klinikums ein Kommunikationsproblem, das konstruktiv gelöst werden sollte.
Die Fraktion hofft auf eine baldige Beantwortung der Fragen.
Anfrage interne Kommunikation Erzgebirgsklinikum
Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrter Herr Koch,
aus Gesprächen mit Mitarbeitenden des Erzgebirgsklinikums und aus Artikeln in der Freien Presse über Fusion, Insolvenz, Schutzschirmverfahren, Stellenabbau lässt sich folgern, dass es innerhalb des Klinikums, zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitenden, seit Längerem und weiter anhaltend ein
Kommunikationsproblem gibt.
Wenn Entscheidungen „von oben“ nicht nachvollziehbar sind, man für diverse Fragen keine vertrauensvolle Ansprechperson innerhalb des Klinikums findet und der Gesamtbetriebsrat kritisiert, dass er über Personalmaßnahmen nicht ausreichend informiert werde, läuft offensichtlich etwas falsch.
In der derzeitigen Lage des Klinikums ist eine funktionierende Kommunikation nach innen noch wichtiger als sonst schon. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen jederzeit wissen, wie der
Stand der Dinge ist und wie es mit dem Klinikum und mit ihnen weitergeht. Sie müssen transparent, umfassend und fortlaufend informiert werden.
In diesem Zusammenhang bitten wir um Beantwortung der folgenden Fragen:
Welche Kanäle nutzt die Geschäftsführung, um die Mitarbeitenden aller vier Häuser des Erzgebirgsklinikums
zu informieren? Wie oft und in welchem Umfang geschieht das?
Welche Möglichkeiten gibt es für Mitarbeitende des Klinikums, der Geschäftsführung Fragen oder Bedenken mitzuteilen, sei es mündlich, schriftlich oder anonym?
Werden Fragen der Mitarbeitenden zu Fusion, Insolvenz, Verlauf usw. registriert und zeitnah beantwortet? Wie wird sichergestellt, dass keine Frage unbeantwortet bleibt?
Welche Kommunikationsmittel nutzt die Geschäftsführung, um die Mitarbeitenden der vier Häuser für das gemeinsame Ziel zu motivieren?
Wie will die Geschäftsführung die interne Kommunikation konkret verbessern?